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Laut BKA sind die Vermisstenzahlen seit Jahren nahezu stabil. Ein deutlicher Aufwärtstrend ist nicht signifikant nachzuweisen, wenngleich ein dezenter Anstieg zu erkennen ist. Am 23.08.1996 waren im Augenblick der Datenabfrage rund 1700 Minderjährige vermisst gemeldet. Von diesen Minderjährigen waren rund 1400 bereits eineinhalb Jahre und länger ununterbrochen »verschwunden« (vgl. »Straßenkinder in Deutschland«, Seidel 1996).
Zieht man die unter qualitativen Gesichtspunkten recherchierten Aussagen von verschiedenen Jugendamtsvertretern hinzu, wonach die meisten Eltern ihre Kinder sehr zügig vermisst melden (und dies ansonsten meist die Schule tut), kann es definitiv keine 40.000 oder 50.000 Straßenkinder in Deutschland geben.

Bis zu 2500 Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren geraten in Deutschland jährlich als Ausreißer auf die Straße. Die Anzahl an tatsächlichen Straßenkindern in Deutschland dürfte derzeit unter Berücksichtigung einer großzügig angenommenen Dunkelziffer bei etwa 300 Minderjährigen pro Jahr liegen.

Einen entsprechenden Ansatz verfolgt das ISA in seiner Expertise »'Straßenkinder' in NRW« (1994): »Die in der öffentlichen Diskussion hierzu gehandelten Zahlen sind jedenfalls (...) keine Grundlage hierfür. Hilfreicher ist hier schon eine Problembeschreibung, die auf den Angaben des Bundeskriminalamtes beruht.«

Das DJI vermeidet sowohl im Zwischenbericht zur Studie »Straßenkinder« (1995) wie auch in der Abschlussveröffentlichung »Endstation Straße?« (1998) zwar beharrlich, konkrete Zahlen niederzuschreiben, wird aber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (»Überleben für den Moment« / 03.06.1996) so zitiert: »Fachleute des Deutschen Jugendinstituts in München schätzen die Zahl der auf der Straße lebenden Jungen und Mädchen in Deutschland auf zwischen 3000 und 7000.« Diese Zahl nennt heute auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Da die Zahlen des DJI aus Gesprächen mit verschiedenen lokal operierenden Experten gewonnen worden sind, fehlt der überregionale Blickwinkel. Ein deutliches Ergebnis der mehrjährigen Beobachtung von Straßenkindern an verschiedenen Orten ist, dass die meisten bereits mehrere Städte aufgesucht haben. Mehrfachzählungen in Anlaufstellen sind daher die Folge.