Diese These untermauert auch »Der Spiegel«, der sich in seinem Artikel »Keinen Bock, 30 zu werden« (44/1995) nach intensiver Recherche selbst korrigiert: »Auf der Straße leben in Deutschland 2000 bis 3000 Kinder und Jugendliche.«
Die Anzahl an Ausreißern, die sich zeitweise in deutschen Großstädten aufhalten, liegt jährlich bei 1500 bis 2500 (s.o.: »Dimension«). Etwa dreihundert davon gelten als Straßenkinder. Die Anteile von Mädchen und Jungen werden unterschiedlich eingeschätzt: Das Deutsche Jugendinstitut München (DJI) stellt in der Studie »Straßenkinder« (S. 35 / 1995) nach zahlreichen Expertengesprächen vorsichtig fest: »In Projekten, die für beide Geschlechter offen sind, wird eine Zunahme der Mädchen beobachtet. Trotzdem sind es immer noch weniger als Jungen, (...).«
Laut Statistik des Bundeskriminalamtes halten sich die Vermisstenzahlen von Mädchen und Jungen nahezu die Waage. Dies entspricht den Ergebnissen aus eigener kontinuierlicher Beobachtung von Straßenkindern in verschiedenen Städten seit 1993.
Präziser sind allerdings die Altersangaben, die vom DJI gegeben werden: »(...) 'Straßenkinder' sind fast nie Kinder unter 13 Jahren, sondern Jugendliche und junge Erwachsene. Darüber waren sich alle Fachleute einig.« (aus »Kind, Jugend, Gesellschaft«, 2/96, S. 39).
Grundsätzlich lässt sich aus eigener Beobachtung ableiten, dass es sich bei Straßenkindern unter zehn Jahren fast ausschließlich um »Kurzzeitausreißer« handelt, die sich meist nur wenige Tage auf der Straße aufhalten und dann entweder aufgegriffen werden oder selbständig zurückkehren. Straßenkinder im Alter von 11 bis 13 Jahren sind zwar zahlenmäßig kaum in den Szenen vertreten, verbringen aber im Gegensatz zu Jüngeren hin und wieder Wochen, wenn nicht sogar Monate im Umfeld der Straße. Die meisten Straßenkinder sind vierzehn Jahre und älter.








