Dimension
Die Anzahl an Ausreißern, die in deutschen Großstädten auftauchen, dürfte derzeit unter Berücksichtigung einer großzügig angenommenen Dunkelziffer bei bis zu 2500 Minderjährigen pro Jahr (nicht gleichzeitig!) liegen. Etwa 300 davon gelten als Straßenkinder. Zahlenmäßig gibt es ebenso viele Mädchen wie Jungen auf der Straße. Die meisten Straßenkinder sind 13 Jahre und älter.
Obdachlose Kinder und Jugendliche gebe es in Deutschland nicht: Jedes Kind, jeder Jugendliche habe hierzulande eine Adresse und könne angeschrieben werden. Diese Auskunft gab noch im Frühjahr 1993 das damalige Ministerium für Frauen und Jugend (Frau Engelhard). Offenbar lag keine Information zur Thematik vor.
Nahezu zeitgleich nannte »Der Spiegel« im Beitrag »Notausgang für kaputte Seelen« (15/1993) eine erschreckend hohe Zahl: »Nelly ist eines der jüngsten unter den Straßenkindern, deren Zahl bundesweit auf rund 40.000 geschätzt wird.«
Diese Zahl hatte »Der Spiegel« beim Münsteraner Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) erfragt. Das ISA bemerkt dazu allerdings in seiner Expertise »'Straßenkinder' in NRW« (Januar 1994, S.9) kritisch: »... wurde als grober Anhaltswert vom ISA geschätzt, dass auf der Grundlage der Vermisstenstatistiken bundesweit etwa 40.000 Minderjährige (!) jährlich vermisst gemeldet würden. (...) Zudem handele es sich bei den Vermisstenmeldungen zum überwiegenden Teil - etwa drei Viertel aller Meldungen - um Kinder bzw. Jugendliche, die nur kurze Zeit, nur wenige Tage - und dies auch nicht wiederholt - von zu Hause bzw. aus einer Einrichtung der Jugendhilfe fortblieben.«









