Deutschland, Land der Ideen. Ausgewählter Ort 2009

Off Road Kids Stiftung

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kinder in Deutschland!

Den Wunsch nach »Normalität« bestätigt auch Rainer Kilb (Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Frankfurt): »Sie wollen 'drogenfrei' werden, keine 'erniedrigenden Jobs' verrichten müssen und unabhängig werden vom Sozialamt.« (FAZ, »Überleben für den Moment«, 03.06.1996)

Bezogen auf Mädchen, zitiert das DJI in der o.g. Studie Erfahrungen aus einer Anlaufstelle für junge Frauen: »Viele Mädchen sehnen sich keineswegs in ihre Herkunftsfamilie zurück, träumen aber um so heftiger von der künftigen eigenen heilen Familie: Kind und Partner sollen Rettung aus Drogenkonsum, Beziehungs-, Arbeits- und Obdachlosigkeit sein - ein Traum, von dem viele Mädchen durch die Mitarbeiterinnen kaum abzubringen sind.« (S. 34 / 1995)

Die Zwischenergebnisse der mehrjährigen, eigenen Beobachtung von Straßenkindern in Deutschland bestätigen das große Interesse von Straßenkindern an »Normalität« deutlicher als erwartet. So wollen nahezu alle Befragten »sofort« oder »bald« von der Straße weg - keinesfalls aber dahin zurück, woher sie kommen. Der Wunsch nach Selbständigkeit ist bei den über 16jährigen stark ausgeprägt. Diese Gruppe wünscht sich häufig »eine eigene Wohnung«, die sie durchaus mit Freunden aus der Szene, Freund oder Freundin teilen würden. Sie erhoffen sich Sicherheit und Geborgenheit durch eigenen Einsatz und ein intaktes Umfeld.

Noch unübersehbarer ist der Wunsch nach Geborgenheit bei jüngeren Straßenkindern. Diese fordern grundsätzlicher als die älteren: »Da müsste jemand sein, dem ich vertrauen kann und der hinter mir steht.« Von der imaginären Bezugsperson wird Zuneigung, nahezu permanente Ansprechbarkeit (nicht ständige Gegenwart!), Loyalität, Rückendeckung (Parteilichkeit) und Unterstützung beim Perspektivenaufbau erwartet. Mit desinteressierten, passiven und distanzierten Bezugspersonen wollen diese Kids nicht länger zu tun haben.