Deutschland, Land der Ideen. Ausgewählter Ort 2009

Off Road Kids Stiftung

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kinder in Deutschland!

Aus der mehrjährigen Beobachtung heraus zeigt sich, dass diese lokale Häufung so andernorts nicht zu erkennen ist. Allenfalls am Hamburger Hauptbahnhof fallen Gruppen türkischer Jugendlicher auf, von denen jedoch die wenigsten obdachlos sind. Polnische Jungen, die sich am Berliner Bahnhof Zoo prostituieren, halten sich in der deutschen Hauptstadt meist nur solange auf, »bis die Kohle stimmt«, und kehren anschließend wieder in ihre Heimat zurück, um dann möglicherweise Wochen später wieder in Berlin »jobben« zu gehen.

Sehr kontrovers diskutiert wird die Frage, ob Straßenkinder ein Symptom zunehmender Verarmung in Deutschland sind oder nicht. Hans-Josef Lembeck von der Hamburger Anlaufstelle für Straßen- und Bahnhofskinder »KIDS« stellte in seinem Referat zur ISA-Fachtagung »Junge Menschen in besonderen Lebenslagen« am 30.10.1995 in Hamburg fest: »(...) So käme man bei dem regelmäßig erstellten Armutsbericht für die Bundesrepublik sicherlich nicht auf die Idee, die Armut in unserem Land mit der Armut in diesen Ländern (Anm.: der 3. Welt) zu vergleichen. Dass gleichwohl auch hier Armut herrscht, und dies gerade unter der Klientel, um die es hier geht, ist unstrittig.«

Das DJI zitiert in der Studie »Straßenkinder« einen namentlich nicht genannten Experten aus den neuen Bundesländern (S. 116 / 1995): »Wir haben aus allen Klassen und Schichten Jugendliche, die dabei sind. Das ist nicht nur das Kind von Eltern, die Alkohol trinken und das aus der Situation des häuslichen Milieus geflüchtet ist. Wir haben also auch Eltern dabei, die bestsituiert sind, die mit ihren Kindern nichts mehr zu tun haben wollen.«

Ähnlich stellt sich auch das vorläufige Ergebnis der eigenen, mehrjährigen Beobachtung und Befragung von Straßenkindern dar. Es wurden deutlich mehr Kinder und Jugendliche angetroffen, deren Eltern ein Haus besaßen, als deren Eltern von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld lebten. Zwar gibt es tatsächlich eine erkennbare Zahl an Straßenkindern aus sozial schwachen Verhältnissen, aber finanzielle Not wurde von den »Kids« nicht als Grund für den Gang auf die Straße genannt.