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"Fürsorge"
Ich werde keine großen Geschichten schreiben (habe ich zumindest vor), also ich will Erklärungen zu meinen Bildern abgeben, weil sicher einige den Sinn mancher Bilder nicht verstehen werden/wollen:

15.06.98 Montag
Dieser große schwarze Hund heißt KNOLLE und ist auf den Fotos seit ca. 2 Stunden Mama von 14 quäkenden kleinen Würmern. Es ist wirklich ein unbeschreibliches Gefühl ein ca. 10 cm großes Etwas in der Hand zu haben und zu wissen, dass es 2 Monate lang die liebe Knolle im Bauch rumgeboxt hat und noch 15 Jahre vor sich hat. Da kann man echt nur der PFANNI-Werbung zustimmen: ALLES TOLLE AUS DER KNOLLE. Das ist die schöne Seite der Geschichte. Nur Tatsache ist, dass wenn einer von uns, einen dieser Welpen in der Hand hat, jeder einen traurigen Blick bekommt, weil die eigentlich stolze Besitzerin dieser stolzen Mama dieses Glücksgefühl nicht mehr erleben konnte, da sie vor drei Wochen auf bis heute ungeklärte Weise gestorben ist.

16.06.98 Dienstag
So manch einer wird sich denken: »Die Punks saufen eh nur den ganzen Tag!«, aber diese Bilder entstanden auf der Party für die stolzeste Mama der Welt. Denn wer kann schon von sich behaupten, innerhalb von 2,5 Stunden Mutter von 14 kerngesunden Kindern geworden zu sein? Mein Freund (der jetzige Besitzer von Knolle) und ich kamen uns auf jeden Fall vor, als wären wir Eltern geworden, was auf den Hundefotos wohl auch unschwer zu erkennen ist. Es war mit Sicherheit 'ne klasse Party und es kann mir kein Schichter (normal arbeitender Bürger) erzählen, jemals mit seinen besten Freunden so 'ne Geburt gefeiert zu haben.

17.06.98 Mittwoch
Das letzte Foto entstand in ROITZSCH (bei Delitzsch) bei einer Vereidigung. Das die Linke Szene mit der Bundeswehr etc. nicht gerade einer Meinung ist, wird wohl einigermaßen bekannt sein (zwecks »Treue und Kampf für das deutsche Vaterland!«). Da standen nun ca. 20 Linke in diesem Dörfchen und taten nix, außer'n bisschen laut sein. Aber die Feldjäger und Schutzpolizei hielten das wohl als »allgemeine Bedrohung für die Öffentlichkeit« und mussten zu 40-50st mit Knüppeln und gut gepanzert auf uns losgehen. Die hätten sich mal lieber um die wahren Bekloppten, die Scheiß Faschos nämlich, die STOCKBESOFFEN (wir waren zu 90% von allen nüchtern) uns anpöbelten, gekümmert. Da hätten sie wenigstens die Richtigen erwischt; aber das hätten die Faschos an unserer Stelle wohl auch gesagt.
Auf jeden Fall wird morgen wieder in der Zeitung stehen:
»LINKSRADIKALE RANDALIEREN BEI DER VEREIDIGUNG IN ROITZSCH«. Die Leute essen's und fressen's und sagen: »Die bösen, bösen Punkers wieder.« Aber die andere Seite, unsere nämlich, hat sich bis jetzt noch nie einer angehört. Und das wird wohl leider auch so bleiben. Man könnte ja womöglich Missverständnisse aus dem Weg räumen und Vorurteile abbauen...

Nicole T.