Deutschland, Land der Ideen. Ausgewählter Ort 2009

Off Road Kids Stiftung

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von Robin:

Ich hätte mit 14 Jahren noch nicht daran gedacht, wie es ist, »gar nichts zu haben«. Mit 15 habe ich es dann erfahren. Ab da habe ich dann gemerkt, was Sehnsucht ist. Ein eigenes Bett, regelmäßige Mahlzeiten, eine intakte Familie, eine Dusche, einen geregelten Tagesablauf... Ich hatte das vorher fast alles, bis auf die intakte Familie, die mir das Straßenleben erst mal »ermöglichte«. Diese Ignoranz, die geschlossenen Augen vor meinen Problemen. Hätten meine Eltern mehr Zeit mit mir verbracht, sich einfach mehr mit mir beschäftigt glaube ich, wäre das nie passiert.

Sie hätten dann gemerkt, dass ich mir die Arme aufschneide, mir regelmäßig den Frust »weggespült« habe. Ich kann meinen Eltern aber nicht nur Vorwürfe machen. Ich hätte es ja auch sagen können!?! Hätten sie es nicht merken können!?!

Sie haben es noch nicht mal jetzt gemerkt, obwohl ich auf der Straße gelebt habe und seit 2 Jahren in einer Jugendhilfemaßnahme wohne. Da ich weiß, dass ich auf meine Eltern nicht zählen kann, sie es einfach nicht verstehen können und wollen, distanziere ich mich von ihnen.

»Mit uns hat unsere Tochter doch keine Probleme!« waren ihre Worte »Mit der Schule kam sie nicht zurecht und mit der Freundin hatte sie dann auch Ärger«.
Stimmte ja auch, aber mit wem konnte ich damals diese Probleme teilen? Mit meinen Eltern jedenfalls nicht.

Als sie gar nicht mehr weiter wussten, wenn ich absichtlich betrunken nach Hause kam, schlugen sie mich. Ich trage ihnen das nicht nach, es war reine Hilflosigkeit. Ich schnitt mir mal provokant den Arm auf, ging zu meiner Mutter und weinte: »Du Mama, es hört nicht auf zu bluten!« Sie hatte wieder nur die Augen geschlossen und hat nichts gemacht. Als ich zu ihr sagte, dass ich ins Heim möchte, das war mit 13 Jahren, weinte sie nur, das die Familie zusammengehört. Wie kann die Familie zusammengehören, wenn eine solche Engstirnigkeit in ihr herrscht? Ich liebe meine Eltern, aber ein Zusammenleben ist unmöglich geworden. Jetzt wohne ich ca. 60km von ihnen entfernt, und das Verhältnis ist besser als vorher. Nach einer Familie sehne ich mich und ich bin glücklich darüber, dass ich jederzeit bei meinen Eltern anrufen kann, aber verstanden haben sie die ganze Sache noch immer nicht!